Presseberichte

Familienhelferin im Ausland

Ein Bericht von Stefanie Lasthaus

Recklinghausen. Kinderbetreuung und Hilfe im Haushalt gegen Unterkunft, Verpflegung, ein kleines Taschengeld und vor allem soziale Kontakte. Eine Vereinbarung, die "auf Gegenseitigkeit" beruht - oder, ins Französische übersetzt: Au pair.

Koffer gepackt, Abschied gefeiert, Tränen am Flughafen. Jedes Jahr zieht es zahlreiche junge Deutsche, überwiegend Mädchen, in die Ferne. Es winken das große Abenteuer der eigenen Verantwortung und überhaupt der völlig andere Wind, der einem um die Nase weht. Eine Gastfamilie macht es möglich. Das Au-Pair steht nicht völlig allein da, wird in diese integriert. Es ist der kulturelle Austausch, der im Vordergrund steht.

Einen Blick über den Tellerrand zu werfen, fällt jedoch vielen äußerst schwer. "Ich bekomme häufig E-Mails, in denen aufgelistet wird, was drüben anders ist als hier in Deutschland", sagt Silke Rixen von German AuPair in Recklinghausen. Im Oktober 2006 gründete die heute 30-Jährige ihre Agentur und vermittelte seitdem knapp 30 Reisefreudige. Ganz vorn derzeit: Irland oder auch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Hier in den USA hat sie vor elf Jahren selbst als Au-Pair gearbeitet - eine Erfahrung, die der Diplom-Kauffrau nun als Basis dient.

Foto: WAZ, Jürgen Hein

"Ich weiß genau, was in den jungen Leuten vorgeht, wenn sie in eine fremde Familie kommen." Das schließt auch negative Erfahrungen mit ein: Ihre eigene Gastfamilie musste sie wechseln, da der Draht zueinander nicht stimmte. Daher weiß sie nicht nur, wie die Betroffenen sich in so einem Fall fühlen, sondern auch, was zu tun ist. "So etwas muss man nicht hinnehmen, sondern sollte sich an den Betreuer vor Ort wenden. Eine Familie kann immer gewechselt werden."

Weiteres Wissen über die Arbeit mit Au-Pairs erwarb sich Rixen durch Kontakt zu einer Bekannten in den Staaten sowie einer Agentur in München. "Gespielt hatte ich mit dem Gedanken schon länger. Immerhin gibt es hier im direkten Umkreis keine Agentur für Au-Pairs." Rixen betreut Interessierte aus dem Kreis Recklinghausen und ist stets bemüht, ihr Netz aus Kontakten zu Partneragenturen im Ausland zu erweitern. Dies gestaltet sich nicht immer problemlos. "An Australien komme ich beispielsweise nicht heran. Die haben ihre festen Partneragenturen und nehmen derzeit keine neuen an."

Was erwartet das zukünftige Au-Pair in Sachen Betreuung durch German AuPair? Zunächst einmal die Vermittlung in eine Familie, was über die Partneragenturen vor Ort läuft. Dann: Eine persönliche Beratung vor Antritt des Auslandsaufenthalts, Hilfe bei der Bewerbung oder beim Visum. Ein letztes Treffen vor der Abreise bietet die Möglichkeit, weitere Fragen, von den Einreisebestimmungen bis hin zu Tipps für das Gastgeschenk, zu klären. "Bücher über das Ruhrgebiet sind immer eine gute Idee, die gibt es ja auch auf Englisch. Und für die Kinder in den USA ist Haribo der Renner." Das ganze Paket kostet bei Aufenthalten in den USA eine Vermittlungsgebühr von 200 Euro (darin enthalten sind Reisekosten und Versicherung), bei Aufenthalten im EU-Ausland eine Gebühr von 150 Euro.

Im Ausland übernehmen die Partneragenturen vor Ort die Betreuung. Und die sehen es gern, wenn ihre Au-Pairs aus Deutschland kommen. "Das Klischee der pünktlichen, ordentlichen und fleißigen Deutschen existiert noch immer", so Rixen. "Und die Familien vertrauen den Au-Pairs immerhin ihr höchstes Gut an: ihre Kinder. Da möchten sie verständlicherweise jemanden, der zuverlässig ist."

Wenn also Chemie und Engagement stimmen, kann der Aufenthalt dem Au-Pair viel bieten. Und damit ist nicht das wöchentliche Taschengeld gemeint, sondern Spracherwerb, eine Erweiterung des Horizonts oder die Möglichkeit, brachliegende Zeit zwischen Schule und Studium oder Ausbildung sinnvoll zu füllen. Das positive Feedback übersteigt in der Regel das negative. Das beste Beispiel hat Rixen soeben erlebt: "Eins meiner Au-Pairs hat seinen Aufenthalt um ein weiteres Jahr verlängert." Silke Rixen (30) hat selbst mal als Au-pair gearbeitet. Ihre Erfahrungen kann sie nun bei der Arbeit in ihrer Vermittlungs-Agentur gut gebrauchen.

Dienstag, 11. März 2008

Quelle: WAZ - Lokales / www.derwesten.de

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